Musterzimmer Illustration

Das Patientenzimmer von morgen

Ein grauer Block, kalte Böden aus Linoleum und lange Flure: Das muss nicht sein. Im Gegenteil: Gute Spital-Architektur lohnt sich Zimmer für Zimmer – und kann sogar den Heilungsprozess fördern.

Ein Spitalzimmer mitten im Wald. Was zuerst nach einem neuen skandinavischen Krimi klingt, ist im Universitätsspital von Oslo in Norwegen längst Realität. Die Idee: Die therapeutische Qualität der Natur soll sich auf die Patienten übertragen. Mystische, wunderschöne 35 Quadratmeter grosse Holzkabinen für Behandlungen oder Besuche sind das Resultat. Das Klinikum Offenbach, anderes Beispiel, versucht unter anderem mit warmen Farben und viel Licht eine gesundheitsfördernde Atmosphäre zu schaffen. Dazu gehören zum Beispiel Innenhöfe, die abhängig von Tages- und Jahreszeit Farbspiele in den Farbthemen Rot, Gelb und Grün bieten.

Ein enger Bezug zur Natur, möglichst viel Tageslicht und Ausblick ins Grüne sind die Grundlagen der «Healing Architecture».

Auch das Kantonsspital Baden geht mit dem Neubau neue Wege. Denn das Neubauprojekt «Agnes» basiert auf dem Architekturprinzip der «Healing Architecture», stammt sogar aus der Feder der Begründerin dieser «heilenden Architektur». Ein enger Bezug zur Natur, möglichst viel natürliches Tageslicht und Ausblick ins Grüne von jedem Zimmer aus sind Grundlagen der Architektur auf dem Gesundheitscampus. Doch welche Anforderungen müssen der Neubau und insbesondere die einzelnen Zimmer konkret erfüllen? Und wie werden diese Anforderungen eruiert?

Musterzimmer im Test

Die KSB-Mitarbeitenden haben den Neubau von Anfang an mitgestaltet, um die Räume bestmöglich für die zukünftigen Nutzer zu entwerfen. Ein weiterer Schritt auf dem Weg zum patientenzentrierten Spital sind sogenannte Musterzimmer. Der Name verrät einiges – Zimmer, die im Massstab eins zu eins gebaut und ausgestattet werden und so als Muster für den Neubau dienen.

Und genau ein solches Musterzimmer befindet sich zwischen Haus 9 und 10 auf dem KSB-Gelände. Zimmerleute und Schreiner haben im Dezember 2018 einen Holzpavillon errichtet. In dieser Gebäudehülle sind ein Patientenzimmer, ein Untersuchungsraum, ein Korridorabschnitt sowie ein kleiner Arbeitsbereich untergebracht. Noch ist die Infrastruktur karg – doch das wird sich ändern, je näher der Bezug des Neubaus rückt.






Mit der Gestaltung der Innenräume sind zahlreiche Fragen verbunden. Nutzergruppen bestehend aus Vertretern der Ärzteschaft, der Pflege, der Hotellerie sowie des technischen Dienstes klären laufend ab, welche Lösung für die Ausstattung der Räumlichkeiten am sinnvollsten ist. Wo befindet sich die günstigste Position für Steckdosen? Wie werden die Trennvorhänge an der Decke fixiert? Welche Beleuchtung erzeugt die beste Wirkung? Welcher Bodenbelag verspricht eine einfache wie hygienische Reinigung und verbreitet zudem die gewünschte Wohlfühlstimmung: Parkett? Linoleum? Oder gar Kork?

2022: Die alten Zimmer werden ausgemustert

Der Aufwand für den Bau solcher Musterräume ist hoch, jedoch lohnenswert. Denn viel kostspieliger und umständlicher wäre es, wenn man im Nachhinein in sämtlichen 200 Patientenzimmern des Neubaus Korrekturen vornehmen müsste, weil sich eine Idee oder ein Produkt als wenig praxistauglich erwiesen hat. Eine Multiplikation einer Fehleinschätzung kann sich mit Faktor 200 fatal auswirken. Die Musterzimmer stehen den Nutzergruppen im Rahmen von Workshops und Simulationen zur Verfügung. Auch geführte Besichtigungen für die Öffentlichkeit sind geplant. Mit der Eröffnung des Neubaus im Jahr 2022 wird das Musterzimmer dann seine Bestimmung erfüllt haben und komplett zurückgebaut werden.

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